Welche Anfälle und Formen epileptischer Anfälle gibt es?

Immer häufiger treten epileptiforme Anfälle bei Hunden auf. Von epileptiformen Anfällen können alle Lebewesen, die ein komplexes Nervensystem besitzen betroffen sein. Diese neuronalen Störungen gibt es so lange, wie es komplexe Nervensysteme gibt. Da die Epilepsie viele Gesichter hat, sollte man ehr den Begriff „epileptiforme Anfälle“ verwenden. Die Anfälle haben ein vielfältiges Erscheinungsbild.

Geschichte der Epilepsie

Bereits vor der Antike gab es die erste Individuen (Affenarten, deren Gehirn genügend Komplexität hat), die an der chronischen Krankheit Epilepsie litten.

In der ägyptischen Antike wurde Epilepsie gefürchtet. Bei den Griechen galt Epilepsie stattdessen als „heilige Krankheit“. Selbst Hippokrates versuchte Epilepsie mittels Purgieren, Schröpfen, Diätetik, Heilmittel oder Brenneisen zu bekämpfen.

Das Wort Epilepsie stammt aus dem Altgriechischen ἐπίληψις epílēpsis und bedeutet auf Deutsch „Überfall“ oder „Angriff‘. Früher verwendete man auch den Begriff „Fallsucht“. Heute findet man manchmal auch noch die Bezeichnung „zerebrales Krampf- oder Anfallsleiden“.

Unterstützung des Tierbesitzers

Um die Erkrankung Epilepsie bei Hunden zu verstehen, ist es hilfreich sich mit der Literatur und den Erfahrungswerten aus der Humanmedizin zu befassen. Die Berichte aus dem Humanbereich helfen uns, die Krankheit besser zu verstehen und Wege für den Tierbesitzer zu finden. Die emotionale Belastung des Tierbesitzers bei dieser Erkrankung darf man nicht außer Acht lassen. Dabei geht es weniger um das Risiko des „Status epilepticus“ für den Hund, sondern vielmehr um das Erleben eines Anfalls für den Tierbesitzer. Hier ist eine Unterstützung für den Tierbesitzer extrem wichtig.

Definition der Epilepsie

Die Epilepsie ist eine plötzlich auftretende, kurz anhaltende und rasch verschwindende Funktionsstörung des Gehirns. Die Funktionsstörung entsteht durch unkontrollierte elektrische Ladungen und kann von wenigen Sekunden bis zu einigen Minuten andauern.

Man spricht von einer Epilepsie, wenn mindestens ein epileptischer Anfall aufgetreten ist. Obwohl unsere Wissenschaft sehr weit fortgeschritten ist, ist die Epilepsie eine der Erkrankungen, die uns immer noch Rätsel aufgibt.

Die plötzlichen (paroxysmalen) Entladungen können in kleineren Nervenzellverbänden des Gehirns oder in beiden Großhirnhälften auftreten. Je nach Ausdehnung der Entladung kommt es zu mehr oder weniger ausgeprägten Störungen des Bewusstseins, der Wahrnehmung, der Motorik (Bewegung), des psychischen Verhaltens und des unwillkürlichen Nervensystems.

Klassifizierungen der Epilepsie

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Formen der Epilepsie.

a)   Idiopathische Epilepsie = primäre Epilepsie = „echte Epilepsie“

  (griech.: idios = von Natur aus, pathos = Krankheit)

Bei der idiopathischen Epilepsie liegt eine funktionelle Hirnveränderung vor, so dass es zu einer plötzlichen und gleichzeitigen Entladung in den beiden Hirnhemisphären kommt. Im Vergleich mit gesunden Tieren ist das Gleichgewicht zwischen erregenden Neurotransmittern und hemmenden Neurotransmittern gestört. Im Vergleich mit gesunden Tieren findet man hier eine verminderte Reizschwelle für Überregung im Gehirn, die durch eine vererbte Veranlagung entsteht. Bei einigen Hunderassen (z.B. Berner Sennenhund, Labrador, Golden Retriever, Collie, Beagle und einigen mehr) ist sicher belegt, dass die primäre Epilepsie eine Erbkrankheit ist. Die Erblichkeit überspringt häufig eine Generation. Betroffene Tiere sollten von der Zucht ausgeschlossen werden.

Diese Form ist meist altersgebunden und tritt in der Regel mit einzelnen Anfällen zwischen dem ersten bis viertem Lebensjahr auf. Neben den Anfällen zeigen die Tiere keine weiteren Symptome. Im Verlauf der Erkrankung kommt es zu zunehmenden Anfallsfrequenzen und zunehmender Anfallsdauer. Zwischen den Anfällen sind die Tiere klinisch unauffällig. Katzen erkranken seltener als Hunde.

b)   symptomatische Epilepsie = sekundäre Epilepsie = erworbene Epilepsie

(griech.: symptoma = Begleiterscheinung)

Die Anfälle entstehen durch frühere oder vorhandene erworbene Erkrankungen, die zu einer nicht physiologischen Entladung der Neurotransmitter im Gehirn führen.

Die Ursache kann eine erworbene strukturelle Hirnveränderung als Folge von einem Trauma, einer Entzündung oder anderen Hirnerkrankungen sein. Desweiteren kann die sekundäre Epilepsie Folge einer Leber- oder Nierenerkrankung, Vergiftung, Hormonimbalancen, Infektion z. B. Staupe, Tetanus, psychischer Erregung, Herzrhythmusstörungen sein. Die epileptiformen Anfälle können in jedem Alter auftreten.

Anfallsformen

1.   Generalisierte Anfälle

Die Entstehung kann primär und sekundär erfolgen.

Bei den generalisierten Anfällen kommt es zu einer plötzlichen ungleichmäßigen Entladung von Neuronen in beiden Großhirnhälften.

Es kommt zu einem teilweisen bis totalen Bewusstseinsverlust. Der ganze Körper krampft und/oder es kommt zu heftigen Muskelzuckungen. Häufig kommt es auch zum Speicheln, Erbrechen, Harn- und/oder Kotabsatz, Fehlhandlungen, Wesens-, Verhaltensänderungen bis hin zur Aggressivität. Die Verhaltensveränderungen können Stunden bis Tage nach dem Anfall anhalten.

Beim generalisierten Anfall gibt es folgende Anfallsarten:

Generalisierter tonisch-klonischer Anfall („Grand mal Anfall“):

Nach dem Bewusstseinsverlust des Tieres stürzt es, anschließend kommt zu einer Tonuserhöhung der gesamten Skelettmuskulatur, also zur Verkrampfung. Anschließend folgt die klonischen Phase mit heftigen Muskelzuckungen z. B. Laufbewegungen, Kieferschlagen.

Generalisierter tonischer Anfall:

Bei dieser Form des Anfalls kommt es zur starken Tonuserhöhung der gesamten Skelettmuskulatur. Die Tiere Verkrampfen die Muskulatur. Häufig kommt es zum festen Kieferverschluss.

Generalisierter klonischer Anfall:

Diese Anfallsart ähnelt sehr dem generalisierten tonisch-klonischen Anfall. Es fehlt jedoch die Versteifung und es kommt zu rhythmischen Muskelkontraktionen, also zu unregelmäßigen oder einzelnen Zuckungen einzelner Muskelgruppen.

Hier kann man noch zwischen dem myklonischen Anfall unterscheiden, bei dem die Streckmuskulatur betroffen ist oder dem tonischen Anfall, bei dem die Beugemuskulatur betroffen ist.

Atonische (astatische) Anfälle:

Hier kommt es zum plötzlichen Tonusverlust der Muskulatur.

Absence (früher Petit-mal Anfall):

Dies sind Anfälle mit kurzen Bewusstseinsstörungen/Bewusstseinspausen. Die Tiere stürzen nicht.

Bei allen generalisierten Anfällen sind die Tiere in der post-ictalen-Phase erschöpft und schwer bis nicht mehr ansprechbar. Die Dauer der Phase ist abhängig vom Anfall.

Andere Tiere zeigen nach einem Anfall starken Hunger oder Durst. Manche Tiere zeigen Angst, Aggressivität oder Ataxie. Die Symptome können nur kurzfristig auftreten oder anhaltend sein.

2.   Fokale Anfälle, partieller Anfall oder Herdanfall:

Bei dieser Anfallsart ist nur ein begrenzter Nervenzellverband des Gehirns betroffen.

Es ist ein Zeichen für den Beginn eines „Anfallgeschehens“.

Bei den einfachen fokalen Anfällen ist in der Regel das Bewusstsein noch vorhanden; es kommt häufig vor allem zu motorischen Symptomen, wie z. B. Zucken der einzelnen Gliedmaßen, Speicheln, Zucken einzelner Muskeln.

Bei den fokalen Anfällen mit komplexer Symptomatik ist das Bewusstsein bereits eingeschränkt; die Tiere zeigen sich ruhelos und konfus (abwesender Blick, Verlust der Orientierung), kurzzeitige Verhaltensstörungen.

Fokale Anfälle werden nicht oder nur schwer erkannt und können sich unerkannt zu generalisierten Anfällen ausweiten.

3.   Nicht klassifizierbare epileptische Anfälle

Hier spricht man von Anfällen, die aufgrund fehlender oder unvollständiger Daten nicht eingeordnet werden können.

Anfallsverlauf

 ·     Promodalstadium

In der Phase vor dem Anfall zeigt das Tier eventuell Ruhelosigkeit, verändertes Verhalten, Angst, teilweise auch leichte Aggressivität oder Futterverweigerung.

 ·     Die Aura

Im Humanbereich beschreiben die Patienten die „Aura“ als ein „unklares Vorgefühl“. Das „Gefühl“ ist die epileptische Aktivierung der Nervenzellen einer umschriebenen Hirnregion. Es kann ein sekundär generalisierter Anfall darauf erfolgen.

Tiere können in solchen Situationen Verhaltensweisen wie Zuckungen einzelner Muskelgruppen, im Kreis laufen, Anbellen fiktiver Personen, Kieferklappern, Fliegenschnappen, ins Leere Starren oder starkes Einspeicheln zeigen.

  ·     Iktus

Das ist der eigentliche Anfall. Die Gesamtdauer kann von zwei bis fünf Minuten andauern. Bei einigen Rassen wie Schnauzer oder Border Terrier sind auch Anfälle von 10 bis 20 Minuten zu beobachten.

 ·     Status epilepticus

Hiervon spricht man, wenn ein Anfall länger als 20 Minuten ohne Unterbrechung anhält. Die Tiere sind nicht mehr ansprechbar, häufig bewusstlos. Dieser Zustand ist lebensbedrohlich und wird in der Regel vom Tierarzt durch eine Narkose unterbrochen.

Je länger der Anfall anhält, desto größer ist die Gefahr, dass es zu einer Schädigung des Gehirns kommt. Ein Status epilepticus kann auch tödlich verlaufen.

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